Gerade noch herrschte Ordnung im Auto, doch damit ist auch schon wieder vorbei, denn wir waren bei Costco. Costco ist eine Großhandelskette in der man eigentlich nur mit einer Mitgliedschaft einkaufen kann. Eine Mitgliedschaft ist leider nur mit irgendeiner Art von kanadischer oder amerikanischer ID möglich, hat man jedoch eine Gift Card, kann man auch so hinein. :)

So eine hatten wir uns besorgt und waren nun im Shopping Modus, doch auf den zweiten Blick ist das Angebot doch nicht mehr ganz so attraktiv, wer braucht schon 32 Rollen Klopapier in seinem Camper, oder ein 60er Pack Instant Noodles? Die 50$ wurden wir trotzdem los und endeten u.a. mit einer 60er Packung Instant Oats. Die Haferflocken sind allerdings nicht zuviele, denn wer denkt sich diese Größenangaben aus? Eine Portion reicht nie für einen erwachsenen Menschen, so brauchen wir pro Frühstück mindestens 5 Packungen für uns Beide.

Nun gut, alles was geht wird in den Essenskisten verstaut und der Rest endet wieder Mal auf dem Gang. So starten wir in den Hohen Norden. Auf den zweiten Blick scheint unsere Verpflegung mindestens einen Monat zu reichen. Am Stadtrand wird noch einmal aufgetankt und ein Kaffee für unterwegs geholt, und dann passiert es schon wieder: eine Fehlzündung!!!

Wir starren uns an und können es nicht glauben, haben wir hier gerade wieder Unmengen an Geld liegen lassen, und alles war umsonst? Wieder geht es quer durch die Stadt und zurück zu 4WheelAuto. Den ganzen Nachmittag verbringt Daniel bei Wayne in der Werkstatt, sie testen und testen, gehen auf mehrere Testfahrten, doch natürlich läuft das Auto hier wieder einwandfrei. Wayne schwärmt von der Power und wie gut sich der Wagen fahren ließe. Den Fehler reproduzieren können wir nicht.

Am späten Nachmittag starten wir also noch einmal in den Norden, diesmal mit gemischten Gefühlen. Die Idee über die unbefestigte Forestry Trunk Road nach Norden zu fahren verwerfen wir bei dem Autozustand und nehmen lieber den Highway. Wirklich weit kommen wir heute auch nicht mehr, zum Einen wollen wir schnell in den Norden, zum Anderen wissen wir, je weiter wir uns von Edmonton entfernen, umso teurer würden gegebenenfalls Reparaturen werden. Und als wir uns entscheiden einen Schlafplatz zu suchen, ist natürlich wieder mal keiner mehr da. Alle Straßen die vom Highway abführen, sind Routen zu Ölpipelines und deren Messstationen. Die Straßen an sich sind durch den vielen Regen schwer zu befahren, und an ein Parken in der Wiese ist nicht zu denken. Diese stehen teilweise stark unter Wasser. Wasser kommt auch gerade genügend von oben – ein kleiner Sturm mit sehr viel Regen.
Also enden wir für diese Nacht in dem Örtchen „Fox Creek“. Mit einem Local kommen wir ins Gespräch, der uns gleich mit dem Satz begrüßt „You know we have Grizzlys around town?“. Aufgrund der schweren Waldbrände rund um Fort McMurray sind viele Bären hier her getrieben worden. Und nicht nur die Grizzlys, aktuell ist auch ein Puma in der Stadt. Neben all dem sollen wir das Auto auch nicht unbedingt alleine lassen, denn wegen des gefallenen Ölpreises herrscht in dieser von der Ölindustrie geprägten Gegend eine plötzlich hohe Arbeitslosigkeit und dadurch entstandene Armut.

Also alles in Allem kein einladender Ort, vor allem nicht in unserer aktuellen Gemütsstimmung, doch wir sind k.o., müde, und ein bisschen fertig mit den Nerven.

Neuer Tag

Am nächsten Tag sieht die Welt schon wieder ein bisschen freundlicher aus. Der Himmel klart auf, die Sonne scheint. Ein Trucker schaut bei uns vorbei, hätte er gewusst dass wir hier schlafen, hätte er uns zu sich auf ein BBQ eingeladen. Bevor es weiter geht überprüfen wir nochmal den Dieselfilter – und finden Dreck. Bei 4WheelAuto haben sie nur den Vorschlag nochmal die 300 Kilometer zurück zu kommen und alles auf Garantie nochmal durchchecken zu lassen, obwohl sie sich eigentlich wenig Erfolg versprechen, dauern würde das ganze nochmal einige Tage.

Wir wechseln erst Mal vorsichtshalber den Deckel für unseren Ersatztank, wer weiß vielleicht ist dieser ja undicht und dort kommt Dreck hinein. Danach werden alle Dieselschläuche, die wir finden können auf Dichtigkeit kontrolliert. Ein Leck finden wir sogar – der Schlauch für die Dieselrückführung ist nass, dort tropft etwas Diesel.

Für heute beschließen wir erst Mal wieder weiter zu fahren, und notieren ab jetzt detailliert, was wir machen und wann eine Fehlzündung einsetzt (Kaltstart, Warmstart, welcher Gang, Leistung, Höhe).

Wir sind dann mal weg trifft Gespanntreisen

Nach all dem haben wir heute allerdings etwas auf das wir uns freuen können, denn vor kurzem haben uns Dagmar und Lars von Gespanntreisen kontaktiert, die gerade im selben Teil Kanadas mit ihrem Toyota Land Cruiser unterwegs sind. In Grande Prairie haben wir uns verabredet, und nun freuen wir uns auf etwas Abwechslung und mit anderen Overlandern quatschen zu können. Die beiden sind bereits seit Mitte Mai letzten Jahres unterwegs und haben in dieser Zeit fast ganz Nordamerika erkundet, doch was uns besonders fasziniert: mit zwei ziemlich großen Hunden. Wir dachten schon manchmal, dass unser Toyota etwas mehr Stauraum vertragen könnte, doch diesen begrenzten Raum auch noch mit zwei Hunden teilen – Wow!

Wir treffen uns am Parkplatz eines Liquor Store, statten uns noch mit Bier aus, und los geht es auf Stellplatzsuche außerhalb der Stadt. Irgendwann finden wir dann doch noch einen netten Platz dank iOverlander und machen es uns gemütlich. Die Bergamasker Hirtenhunde Fopollo und Anthony genießen die große Wiese und toben rum. Und wir verbringen einen tollen Abend, der später im Buschtaxi von den Beiden fortgesetzt wird, denn dort gibt es eine Standheizung. Kuschlig warm ist es bei den Beiden, am Liebsten würden wir gar nicht mehr aussteigen und in unseren eiskalten Toyota wechseln. ;) Wie gut, dass wir warme Schlafsäcke haben.

Der nächste Morgen startet ebenfalls gemütlich, wir plaudern noch viel und wir freuen uns in manchen Punkten Bestätigung zu erhalten. Vielleicht hatten wir wirklich nur Pech mit unserem Start. Kurz bevor wir uns verabschieden müssen, gibt es noch eine kleine Bescherung. Wir bekommen ein paar Kostbarkeiten vermacht. Zum Einen den „Milepost“, ein Geschenk, welches die Beiden bereits von Rini und Rico von Itchywheels erhalten haben. Noch ein Backroad Mapbook von Vancouver und einen Nationalpark Pass für die USA, welcher noch für unsere Zeit in Alaska gültig ist. Am Vorabend wurden wir auch schon mit einem neuen Feuerlöscher ausgestattet, nachdem wir erzählt hatten, dass wir unseren mit gebrochenem Sicherheitsventil leider aussortieren mussten. Den Feuerlöscher hatten die Beiden zuvor von Break-a-Way geschenkt bekommen. :)
Der Feuerlöscher kommt sofort an einen gut erreichbaren Platz und vor allem der Milepost ist sofort in Verwendung und Steffi blättert darin wo es als nächstes hingeht.

Nochmal Danke euch Vieren für den schönen Abend, nach zwei nicht ganz so schönen Wochen ein kleiner Motivationsboost der wirklich gut getan hat. :)

Alaska Highway

Nun wieder ganz positiv gestimmt geht es als nächstes nach Dawson Creek, wo ein wichtiges Fotoshooting ansteht – Mile 0 des Alaska Highway! Noch kurz vor Schluss betreten wir das Visitor Center und holen uns noch ein paar Infos, das Museum hat leider bereits geschlossen. Dort soll es eigentlich eine interessante Ausstellung zum Bau des Alaska Highway geben.

Der Alaska Highway wurde 1942 nach dem Anschlag auf Pearl Harbor vom Militär gebaut und Jahre später der Öffentlichkeit freigegeben. In nur 8 Monaten und 12 Tagen wurde der insgesamt 2395km lange Highway erbaut, welcher von der kanadischen Provinz British Columbia über das Yukon Territory nach Alaska führt.

Bei der Schweizer Bäckerei nebenan statten wir uns noch mit einem „richtigen“ Brot aus, und als Snack für Zwischendrin gibts noch Nussschnecken, Cinnamon Buns und einen Muffin. Hinter Dawson Creek zweigen wir auf einen Teil des Old Alaska Highway ab und schlagen dort unser Nachtlager auf.

Der nächste Morgen startet wieder einmal völlig verregnet, doch egal, wir haben das beste Brot als Jause für unterwegs. Wie haben wir leckeres Brot vermisst. :)

Im Laufe des Tages kommt kurz die Sonne raus und gleich noch werden wir mit unserem ersten Bären auf dieser Reise belohnt. Ein Schwarzbär direkt neben der Straße, der schnell verschwindet als er uns näher kommen sieht. Stoppen ist aufgrund des Verkehrs leider nicht möglich und als wir endlich einen sicheren Platz zum Wenden gefunden haben, ist der Bär bereits im Wald verschwunden. Danach geht es für uns erstmal immer weiter nach Norden, schnurstracks nach Norden, 000° sagt das GPS für viele Kilometer.

Am frühen Nachmittag finden wir einen netten Schlafplatz am Loon Lake. Einheimische kommen vorbei und warnen uns ja nicht schwimmen zu gehen, hier wimmelt es nur so von Blutegeln. Keine Sorge bei fast 0 Grad Außentemperatur lädt dieser nicht wirklich zum Baden ein. ;) Für den Sonnenuntergang klart der Himmel wieder etwas auf, und als wir gerade ein paar Fotos von den Seerosen bei Sonnenuntergang machen deutet Daniel auf den See hinaus – da schwimmen gerade zwei Biber vorbei.

Tags darauf geht die Fahrt weiter, vor Fort Nelson sehen wir nochmals einen Schwarzbären, leider wieder viel zu weit entfernt. Als wir weiterfahren ändert sich die Landschaft in ein traumhaftes Bergpanorama. Auf den Gipfeln sehen wir Schnee – die Northern Rockies. Einmal meinen wir ein komisches Geräusch von unseren Reifen zu hören und bleiben sofort stehen. Man muss dazu sagen, dass wir aktuell etwas sehr nervös bei komischen Geräuschen sind, und irgendwie immer auf irgenwelche Ruckler usw. hören. Steffi meint sie hält mal kurz Ausschau nach Tieren, doch viel Ausschau halten muss sie nicht. Da haben wir doch glatt in der Wiese auf der anderen Seite einen Elch übersehen. Das sollte uns nicht mit den Bären passieren. :)

Im Stone Mountain Provincial Park legen wir eine Pause beim Summit Lake ein. Langsam fahren wir weiter, immer Ausschau haltend nach den hier heimischen Stone Sheeps, die wir schon auf so vielen Blogs bewundert haben. Doch irgendwie scheinen sich die Tiere vor uns zu verstecken. Wirklich viel Wildlife haben wir bisher noch nicht gesehen, obwohl wir doch fast andauernd Ausschau halten. Auf einem Aussichtspunkt vor dem McDonald Creek sehen wir dann noch ein Reh. Parkend beobachten wir das Tier und gerade als wir Fotos machen kommt ein LKW angefahren, nervös springt dieses erst in die eine Richtung und läuft runter von der Straße, doch plötzlich schlägt es einen Haken und rennt in vollem Galopp wieder zurück auf die Straße. Wir sitzen nur im Auto und sehen im Geiste schon den LKW das Reh anfahren, doch irgendwie schafft es das tollpatschige Tier doch noch. Wie gut, dass wir manchmal vergessen die an der Windschutzscheibe befestigte GoPro auszuschalten – so haben wir eine spannende Aufnahme. ;)

Motomoto zeigt endlich was er kann

Der McDonald Creek gefällt uns, und wir fahren eine kleine Straße hinunter, um einen Stellplatz auszuchecken. Als wir die kleine Dirt Road hinunterfahren sehen wir bereits zwei PickUps in den Fluten des Flusses stehen. Einer mit offener Motorhaube auf einer kleinen Sandbank, der andere mit seiner Ladefläche bereits unter Wasser, zusätzlich hängt an diesem PickUp auch noch ein Anhänger mit Quad dran – ebenfalls unter Wasser. Ein kleiner Side by Side mit Winde versucht diesen aus dem Wasser zu ziehen, zieht sich dabei allerdings nur selber immer weiter an den schnellen Fluss heran. Wir parken in sicherem Abstand und laufen erst einmal zu Fuß hin und bieten unsere Hilfe an. Schnell wird uns der Ernst der Lage bewusst, werden wir sofort nach einer Winde gefragt. Haben wir leider nicht, aber wir können probieren den Truck rauszuziehen.

Wirklich viel Ahnung vom Bergen haben wir ja nicht, nur theoretisch von diversen Youtube Kanälen (Ronny Dahl, All 4 Adventure oder ExpeditionOverland), und z.B. von dem kurzen Vortrag von Bergegurte.org auf dem Buschtaxi Treffen. Doch die Männer scheinen genug Erfahrung zu haben, schnell bringen sie Daniel und unseren Toyota in die passende Ausgangsposition und befestigen bereits ihr Bergeseil fachmännisch. Weich ist der Sand hier am Flussbett, die Räder drehen durch, trotz der beiden Differentialsperren, und nur eine kurze Strecken bleibt hier um im richtigen Winkel Gas zu geben. Immer wieder wird zurück gesetzt und das Abschleppseil ein wenig straffer gespannt und nach dem gefühlten 20. Anlauf ist der Pickup endlich ebenfalls auf der Sandbank angekommen. Danach wird schnell der zweite Arm des Flusses in Angriff genommen, vorsichtshalber bleibt das Bergeseil auf beiden Autos befestigt, doch diese Stelle ist etwas seichter und es klappt mehr oder weniger auf Anhieb – ohne fremde Hilfe.

Ein weiterer Pickup ist nun an der Reihe, ebenfalls mit Anhänger, allerdings immerhin ohne Ladung. Der Side by Side wurde auf der anderen Seite entladen um alles etwas leichter zu machen. Einen kurzen Moment sieht alles gut aus, doch schnell sitzt dieser noch tiefer fest, als das vorherige Auto. Eilig werden die Seile wieder befestigt, unser Toyota in Stellung gebracht und los gehts. Ein Versuch, noch ein Versuch – nichts rührt sich, und uns wird bereits ganz bang um unser Auto. Unser armes neues Getriebe und die arme neue Kupplung. Ganz zu Schweige von den armen Reifen, wo wir nicht einmal die Zeit hatten um Luft ablassen zu können.

So stark unser Auto auch ist, hier tut sich nichts. Zwei Side by Side werden in Stellung gebracht und ihre Winde ausgefahren. Zu Dritt wird nun versucht den roten PickUp zu bergen, ein wenig rührt sich dieser auch, zwischenzeitlich reisst eine Winde, und ein verbleibendes Side by Side und unser Toyota versuchen ihr bestes. Langsam aber stetig wird der rote Pickup befreit, bis diese endlich ebenfalls auf der Sandbank steht.

Mittlerweile hat sich der erste geborgene Pickup vom Wasser erholt und läuft wieder, für den zweiten Arm des Flusses übernimmt dieser nun die Bergeaktion, der rote Pickup stottert nur so vor sich hin, zuviel Wasser hat er verschluckt und stirbt laufend ab. Währenddessen machen sich ein paar der Männer an dem weißen Ford, welcher mit offener Motorhaube auf der Sandbank gestrandet war, zu schaffen. Dieser hatte den ersten Versuch gewagt, die Steigung unterschätzt und war zu schnell mit der Front gegen das Flussbett gekracht, dabei ist eine Leitung gerissen und Getriebeöl trat aus. Nachdem der rote Pickup stotternd endlich am rettenden Ufer angekommen ist, werden schnell wieder die Seile gekappt, alles neu verknotet, irgendwie an dem letzten Pickup montiert und dieser wird mühsam geborgen.

Wir inspizieren währenddessen unsere Reifen, und die Unterseite von Motomoto, checken so gut wie möglich, ob alles in Ordnung ist. Die 10 Jäger, die nun endlich aufatmen können, kommen zu uns und bedanken sich mehrmals herzlich – wir hätten ihnen den Arsch gerettet. Vor 14 Tagen waren sie hier angekommen und waren seitdem im Busch jagen. Normalerweise ließen sie die Autos immer parkend auf der Uferseite, doch diesmal waren sie zu faul, und der Wasserstand beim reinfahren zu niedrig – wie konnten sie nur so blöd sein (Zitat) und mit 60.000$ Trucks in den Busch fahren: „einmal und nie wieder“ – das nächste Mal würden sie den Flieger nehmen. Mittlerweile haben wir schon mitbekommen, dass dies eine übliche Fortbewegungsart in Kanada ist – bei den riesigen Distanzen.

Drei Elche haben sie in den zwei Wochen erlegt, sie zeigen uns Fotos von ihrem Trip. Um die zehn Kilometer mussten sie die Tiere zu Fuß zu ihrem Camp schleppen und unterwegs ohne Ausrüstung übernachten, weil sie die Tiere viel zu weit vom Camp entfernt geschossen hatten. Eine lustige, chaotische Truppe. Einstimmig entscheiden sie uns ein Filetstück von einem der geschossenen Elche zu schenken, noch keine 24 Stunden alt und ein prächtiges Tier. Wir erhalten eine Kurzanleitung wie das Fleisch am besten wird: dünn aufgeschnitten auf einem heißen Stein – medium raw. Das mit dem heißen Stein lassen wir heute Abend aus, sondern nehmen die Pfanne. Aber medium raw bekommen wir hin. :)

Die Truppe muss heute noch 15 Stunden in den Süden fahren. Ein Pickup, der mit einer gerissenen Ölleitung, wird an einen Parkplatz am Highway geschleppt, und dort abgestellt. Die anderen zwei Pickups scheinen sie irgendwie wieder zum Laufen gebracht zu haben, komische Geräusche geben sie zwar teilweise von sich, aber scheinbar laufen sie.

Wir machen es uns für den Abend am Ufer des Flusses gemütlich und schlagen hier unser Camp auf. Das Fleisch wird angebraten, und es ist köstlich. Wir haben sogar ein so großes Stück bekommen, dass es für morgen auch noch reicht. Abends lassen wir das geschehene Revue passieren, wir sind mächtig stolz auf Motomoto, auch wenn er bis jetzt ein bisschen geschwächelt hat. Ein bisschen Angst um unser Auto hatten wir zwischenzeitlich zwar auch, aber man kann ja schlecht sagen „Ne sorry, unser Auto könnte kaputt gehen“, wenn die nächste Stadt über 300 Kilometer entfernt ist.

Über den Muncho Lake Provincial Park führt unser Weg weiter nördlich, hier gibt es einen traumhaft gelegenen Campingplatz für 12$. Doch noch ist es früh und wir müssen ja noch etwas Zeit gut machen. Wanderungen gäbe es hier in der Gegend auch einige, wir entscheiden uns nur für einen 1,5 Meilen Rundweg zur Salt Lick Viewing Area, es ist zwar die falsche Tageszeit um die Stone Sheep’s zu sehen – doch wer weiß. Schafe sehen wir leider wirklich keine, der kräftige Wind weht uns um die Ohren. Bei den Temperaturen macht das Wandern gleich deutlich weniger Spaß, schnell verkriechen wir uns wieder im Auto.

Irgendwo hinter Muncho Lake sehen wir sie dann endlich, die Tiere auf die wir ebenfalls so sehr gehofft haben – eine Bisonherde, direkt neben und auch auf der Straße. Friedlich grasen sie, während die Autos stehen bleiben und alle wie verrückt Fotos schießen und die LKWs daneben vorbei rasen.

Um 1800 gab es in Nordwest Amerika noch über 168.000 Wood Bisons, doch durch die Jagd sank die Zahl dramatisch bis 1906 das letzte Wood Bison in Northern British Columbia erschossen wurde. Im Jahr 1995 wurden 49 Tiere in dieser Gegend ausgewildert, dessen Zahl aktuell um die 100 beträgt. Jährlich werden allerdings um die 15 Tiere Opfer von Fahrzeugen, obwohl hier mehrmals mit Schildern auf die Tiere aufmerksam gemacht wird. Traurig, so wird sich die Anzahl der Tiere nur schwer stabilisieren können.

Liard River Hot Springs

Am nächsten Morgen stehen die Liard River Hot Springs auf unserem Programm. Eingepackt in warme Kleidung machen wir uns auf den kurzen Weg zu den Hotsprings, eiligst wechseln wir in der Umkleidekabine in unsere Badesachen und eilen in die warmen Pools. Naja fast, nachdem Steffi einen Fuß hinein gesetzt hat hüpft sie schnell wieder hinaus. 42°Celsius hat das Wasser, doch je weiter man sich von der Quelle entfernt umso kühler wird das Wasser. Also wählt sie eine andere Treppe und arbeitet sich langsam näher an die Quellen heran. Dort sitzen wir also, bei geschätzten 5° Außentemperatur und leichtem Nieselregen und wärmen langsam unsere gefrorenen Körper.

Man soll unbedingt daran denken genügend Wasser mit zu den Quellen zu nehmen, durch die Hitze waren unsere 1,5 Liter schnell leer und Trinkwasser gibt es hier leider keines. Umkleidekabinen, Toiletten und einen Wanderweg gibt es hier. Der Wanderweg war bei unserem Besuch wegen Bärenaktivitäten allerdings geschlossen.

Nach diesem wohltuenden Stop ist als nächstes Watson Lake unser Ziel, doch kurz hinter den Hotsprings sehen wir sie wieder – die Büffelherde vom Vortag. Weit waren wir am Vortag nicht mehr gefahren, scheinbar haben sie uns zwischenzeitlich überholt. Friedlich liegen die riesigen Tiere in der Wiese und schlafen. Ein friedvolles Bild, und noch beeindruckender als am Vortag.

Unterwegs passieren wir die Grenze zum Yukon, wir freuen uns endlich ebenfalls hier angekommen zu sein. Der Yukon und Alaska, beides war und ist eines unserer großen Ziele dieser Reise – gemeinsam mit Südamerika. ;)

Watson Lake und sein Schilderwald

Eigentlich wollten wir für Watson Lake und den dort vorhandenen Sign Post Forest besser ausgerüstet sein. Von dem Brauch, hier Nummern- oder Ortsschilder zu montieren hatten wir bereits vor Ewigkeiten gehört und gelesen gehabt. Unser eigenes Schild mitzunehmen war eigentlich ganz weit oben auf unserer ToDo Liste zuhause gewesen, doch irgendwie gab es dann doch noch so viel anderes zu tun. So ein kleines „Zell am See“ Ortsschild hier aufzuhängen wäre allerdings ganz nett gewesen. ;)

Angefangen hat das ganze im Jahr 1942, als ein US Soldat den Namen und die Entfernung zu seiner Heimatstadt auf einem Wegweiser hinzufügte. Andere folgtem ihm, und mittlerweile finden sich hier über 80.000 Schilder aus ganzer Welt.

Wir wandern also durch den Schilderwald und staunen nicht schlecht, überall wo man hinsieht sind deutsche Ortsschilder zu sehen, Berlin gibts gleich doppelt, auch wenn nicht Daniels Bezirk. Steffi wird dann auch doppelt fündig für ein Foto, einmal gibts „Steffisburg“ und dann noch Saalfelden. Ist zwar nicht Zell am See, doch gilt ebenfalls. :)

Auch München ist vertreten, und wenn wir keine richtigen Münchner sind, ist es zumindest unser Toyota laut Nummernschild. Auch Lauche & Maas ist hier vetreten und wir verschönern das Schild mit einem Pikra Camper Sticker. Von Pikra Camper haben wir vor unserer Reise den Klapptisch an unserer Hecktür zur Verfügung gestellt bekommen. Daheim konnten wir diesen leider nie wirklich testen, doch konnte dieser uns bisher wirklich überzeugen!

Watson Lake wollen wir irgendwie nicht verlassen, ohne uns auch irgendwie hier zu verewigen. Ein Nummernschild können wir nicht entbehren, und so sitzen wir im Auto und überlegen, was wir nicht mehr brauchen. Viel fällt uns nicht ein, vielleicht eine Tupperware Dose? Viel zu uncool. Besser wirds allerdings nicht wirklich, doch wir entscheiden uns dann zumindest für den Eiskratzer, muss im nächsten Ort ein neuer her. Der Edding wird vermutlich bald verblasst oder vom Regen abgewaschen sein, doch zumindest waren wir für kurze Zeit verewigt.

Whitehorse

Nach Watson Lake folgt nach weiteren 440 Kilometern Fahrt endlich Whitehorse, ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt für den Norden, wo sich irgendwie alles trifft. Der Walmart Parkplatz ist für die vielen Camper und Wohnmobile bekannt, die hier die Nacht verbringen, und auf Facebook hatten wir bereits verrückte Fotos gesehen wo der Parkplatz eher einem Campingplatz oder Wohnmobil Verkaufshaus ähnelt. Auch wir parken hier, während wir im Walmart und Canadian Tire unsere Runde drehen. Als wir zurück kommen werden wir von einem Texaner begrüßt, der seinen Unimog neben uns geparkt hat – „The coolest car on the lot“ sagt er zu unserem Motomoto. Er lädt uns in seinen Unimog ein, da sagen wir nicht nein, wollten wir schon immer mal einen von innen sehen. Seinen hat er komplett selbst ausgebaut, und während er uns Rum einschenkt erzählt er uns von seinem Leben und seinen Weltansichten. Immer wieder, wenn er junge Leute sieht, fühlt er sich verpflichtet und es als seine Mission mit ihnen zu quatschen und ihnen ein wenig seiner Weltanschauung mitzuteilen. Interessante Geschichten hat er auch zu berichten, mittlerweile sei er in Rente, doch war sein Job gewesen Kühlkreisläufe für Waffensysteme zu entwickeln. Manche Themen sind etwas schwierig, und wir versuchen uns irgendwann „freundlich“ zu verabschieden. Nett war es trotzdem.

In Whitehorse haben wir mindestens einen Tag Aufenthalt geplant. Wir brauchen Wifi zum Arbeiten und wollen eigentlich endlich mal unseren Blog pflegen. Von dem Internet hier sind wir allerdings mehr als enttäuscht. In der Bibliothek gibt es pro Person eine Stunde zur Verfügung, mehr gibt es nicht. Wenn man will, darf man die Zeit aber in 2 x 30 Minuten aufteilen. Bei Starbucks sind wir mit einem anderen Paar mit Laptop lange Zeit die einzigen Gäste und kämpfen damit auch nur Google zu öffnen, so langsam ist das Internet. Dort geben wir schließlich auf und fahren zum Visitor Center, die schalten aber über Nacht das Internet ab. Wir parken für kurze Zeit vor der Burger Kette A&W, verhältnismäßig schnell ist das Wifi hier, doch bei Ladenschluss wird dieses ebenfalls abgedreht. Der Tag war dermaßen erfolglos, dass wir lieber schlafen gehen und es uns am nächsten Morgen gleich im Visitor Center bei mäßigem Wifi gemütlich machen, immerhin gibts dort Steckdosen.

Wir brauchen aber wieder den ganzen Tag und als wir endlich fertig sind, hat die S.S. Klondike schon wieder geschlossen. Egal, dann halt auf dem Rückweg von Alaska in den Süden. Zumindest war das zu dem Zeitpunkt der Plan. Wir haben ganz vergessen, dass dann bereits alles für die Saison geschlossen haben wird.

Sonst werden in Whitehorse nochmal alle Vorräte aufgefüllt – Diesel, Wasser und Lebensmittel. In der Laundry wird unsere Kleidung gewaschen, und am Robert Service Campground gibt es Duschen, 1$ kosten dort ein paar Minuten heißes Wasser.

8 Antworten zu “Auf dem Weg nach Norden”

  1. Hallo Ihr Beiden

    Ist ja wieder sehr spannend zu lesen, was ihr alles erlebt. Und cool, dass es mit der Rettung geklappt hat. Da habt ihr und euer Troopy volle Arbeit geleistet.

    Liebe Grüsse aus Westaustralien – sind übrigens auch wieder mit Troopy unterwegs :-)

    Reni

  2. Euer Blog weckt viele schöne Erinnerungen an den Yukon und Alaska in uns.Wir sind im Mai 2015 in Halifax gestartet und seit Mai 2016 wieder in Old Germany. Der Alltag hat uns wieder, aber das Fernweh ist allgegenwärtig! Geniesst die spannende Zeit und wunderschöne Erlebnisse!

  3. Ahhh die Liard River Hotsprings, toll oder? Und die Bisons sowieso, einfach beeindruckend! Cool, dass ihr im Schilderwald etwas hinterlassen habt, ist ja egal was, hauptsache man hängt etwas auf. Wir waren auch unvorbereitet und so musste ein Teller dran glauben;)

    Sind gespannt, was ihr alles erlebt;)
    Liebe Grüsse aus Bali

    Sabine und Andy

    • Hallo ihr Beiden,
      oh ja die Hotsprings waren traumhaft, bei ein paar Grad über 0 und Nieselregen haben wir die wirklich genossen.
      Übrigens, unseren „48h in ..“ Beitrag bekommt ihr bald, Sorry für die Verspätung :)
      Liebe Grüße aus Squamish, Steffi und Daniel

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