Von der Wüste zur Death Road
25 June 2018
22. Februar 2018 – 2. März 2018

Auf einer Reise entlang des Panamerican Highway wird immer vor den Grenzüberquerungen gewarnt. Weit vorne dran, natürlich die Verschiffung über den Darien Gap, gefolgt von diversen Grenzen in Zentralamerika. Unzählige Kopien werden verlangt und einfach ein aufwändigeres Prozedere.

Doch für keine der vielen Grenzen (bisher 16 auf dieser Reise) sind wir so früh aufgestanden, wie für die von Kolumbien nach Ecuador. Aufgrund der vielen Flüchtlingen aus Venezuela, die auf dem Weg nach Ecuador, Peru oder auch Chile sind, kommt es zu äußerst langen Wartezeiten. Wir haben einen Amerikaner getroffen, der um die 11 Stunden in den Warteschlangen stand, in der Regel hält sich der aktuelle Durchschnitt so bei 6 Stunden.

Also wollen wir früh dort sein, und stehen pünktlich um 4:30 Uhr (morgens, im Dunkeln) an der Grenze. Doch selbst um diese Uhrzeit sind wir nicht alleine und warten ca. 1,5 Stunden, um aus Kolumbien ausgestempelt zu werden. Ecuador ist dann relativ schnell erledigt. Und nur 2,5 Stunden später sind wir auch schon in Ecuador. An sich eine wirklich einfache Grenze, keine Kopien wurden benötigt, und nur ein Foto von unserem Toyota für die temporäre Einfuhr. 90 Tage dürfen wir nun in diesem wunderbaren Land bleiben.

Rein in die Regenzeit (mal wieder)

Mit Februar und März verlassen wir nun die „optimale“ Reisezeit Kolumbiens und landen in der Regenzeit Ecuadors. Das merken wir auch sofort, denn kaum auf dem Weg nach Süden fängt es gleich an zu schütten. Die Idee heute zur Laguna Mojanda bei Otavalo zu fahren schmeißen wir gleich über Bord und fahren lieber zum beliebten Overlander Spot „Finca Sommerwind“. Einige deutsche Wohnmobile sind auch dort, Anke und Andreas treffen wir hier auch wieder, und nach zwei Tagen kommt noch ein Paar aus Australien dazu.

Berühmter Indio Markt in Otavalo

Von Ibarra fahren wir mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum berühmten Samstagssmarkt am Plaza de Ponchos von Otavalo. Hier finden sich viele wunderschöne Kunsthandwerke, farbenfrohe Decken, Stoffe und Pullover, Handtaschen und viel Kleinkram. Hätten wir doch nur mehr Platz in unserem Auto. Eine warme Alpaca Decke erstehen wir allerdings doch. Wir rüsten uns schon für die kalten Temperaturen in den Anden und für den Winter in Patagonien aus.

Cascada de Peguche

Nach ein paar Tagen bei der Finca Sommerwind, die wir unter Anderem mit der Recherche für die Galapagos Inseln verbracht haben, brechen wir auf zur Laguna Mojanda. Unterwegs stoppen wir noch in Otavalo beim Wasserfall von Peguche, ein heiliger Ort der Reinigung für die Einheimischen und beliebtes Ausflugsziel am Wochenende.

Laguna de Mojanda

Über eine gute, unbefestigte Straße geht es hoch zum Mojanda See. Dort ist für uns leider Schluss, denn der Pfad um den See ist aktuell zur Regenzeit mehr Matsch als Pfad. Die Nacht verbringen wir auf 3.700 Metern und wir fühlen uns ganz gut für die Höhe. Die Wanderung zum Gipfel Fuya Fuya lassen wir am nächsten Morgen lieber aus. Zum Einen ist es hier schon öfter vorgekommen, dass parkende Autos aufgebrochen wurden, zum Anderen ist es ziemlich bewölkt und immer wieder nieselt es. Für uns geht es wieder zurück nach Otavalo zum Kondor Park, doch halten wir unterwegs noch auf einen leckeren Kaffee und Muffin im Café Rio Intag.

Kondor Park in Otavalo

Der Parque del Condor ist ein Rettungs- und Rehabilitationszentrum für Kondore und andere Vogelarten. Unter Anderem finden sich hier neben zwei großen Anden Kondoren auch Eulen, Adler, Falken und Habichte.

Wir sind rechtzeitig vor Ort und drehen noch vor der Flugshow, welche pünktlich um 11:30 Uhr startet, eine Runde durch den Park. Dabei sehen wir auch die zwei beeindruckenden Anden Kondore und hoffen diese noch irgendwann in der freien Natur sehen zu können. Bei der Flugshow sausen uns die Vögel über unsere Köpfe, und abwechselnd positionieren die Wärter diese vor den Touristen, damit alle einen guten Blick auf die Tiere erhaschen. Das große Highlight, bei welchem sich ein Falke durch Aufwind hoch hinauf tragen lässt und bei Signal nach unten geschossen kommt, klappt bei den heutigen Windverhältnissen leider nicht. Trotzdem eine sehr empfehlenswerte Show.

Laguna de Cuicocha

Die Nacht verbringen wir am Eingang zur Laguna Cuicocha, einem Vulkankratersee auf etwa 3.000 m, in welchem sich zwei Lava Inseln befinden. Am Morgen spazieren wir ein bisschen von Lookout zu Lookout, doch für die 14 Kilometer lange See Umrundung spielt das Wetter wieder nicht ganz mit.

Cayambe

Nachdem wir uns bei den Lagunen etwas akklimatisiert haben, geht es für uns nun zu einem Highlight. Wir wollen bis zum Refugio des Vulkans Cayambe fahren. Der Vulkan Cayambe ist mit 5.796 Metern der dritthöchste Berg Ecuadors, und an dessen Südhang befindet sich der höchste Punkt der Welt entlang des Äquators. Bis vor einigen Jahren war dies außerdem der einzige Ort weltweit, an dem ganzjährig Schnee am Äquator liegt. Durch die Erderwärmung und das Zurückgehen des Gletscher ist dies nun leider nicht mehr der Fall. Den Großteil des Jahres liegt hier allerdings noch Schnee, was somit weiterhin einzigartig ist.

Etwa 25 Kilometer führt die Straße vom Ort Cayambe bis zur Schutzhütte „Oleas Ruales“ des Vulkans hinauf. Bis 3.500 Meter läuft alles einwandfrei, doch dann lässt die Power unseres Motomoto nach und der weiße Rauch startet. Langsam schlängeln wir uns den Berg hoch, immer wieder kommt kurz ein Teil des enormen Gletschers und Gipfels zum Vorschein. Auf 4.400 Meter gibt es einen großen Parkplatz, danach geht es die letzten zwei Kilometer nur noch mit Bodenfreiheit und 4×4 weiter. Auf dieser Höhe, mit weniger Power, ist die Steigung in Kombination mit den großen losen Steinen nicht ohne, und wir kriechen langsam in der Untersetzung voran. Für einen Fotostop bleibt keine Zeit, zu groß ist die Möglichkeit, dass wir dann kaum mehr vorwärts kommen.

Die Straße endet für uns bei 4.609 Meter (aktueller Höhenrekord), auf einem Parkplatz kurz unterhalb der Schutzhütte. Etwa 2,5 Stunden haben wir inklusive Fotostopps für die 25 Kilometer gebraucht. Es bleiben uns nur wenige Minuten für Fotos, bis die Wolken den gesamten Gipfel und unser Auto verschlingen. Mit einigen großen Steinen parken wir mehr oder weniger gerade und gönnen uns danach eine herrliche heiße Schokolade im Refugio. Atemberaubende Ausblicke hat man von dieser Schutzhütte, die uns immer wieder kurz gewährt werden. Wir chillen im Auto bei heißem Coca Tee und hoffen auf besseres Wetter, um zum Gletscher auf 5.050 Meter hoch wandern zu können. Heute wird das allerdings nichts mehr, und so hoffen wir auf den nächsten Morgen. Doch auch diesmal nicht, früh morgens regnet es, also schlafen wir noch etwas länger, nur um feststellen zu müssen, dass sich der Regen nun in Schnee verwandelt hat und noch heftiger Wind dazu gekommen ist. Wir verzichten lieber auf die Wanderung, und nach einem heißen Tee geht es für uns wieder hinunter ins Tal.

Am Äquator in der Nähe des Cayambe

Nahe zur Zufahrtsstraße zum Vulkan Cayambe befindet sich das Äquatormonument Quitsato, dem wir natürlich einen Besuch abstatten und die obligatorischen Fotos schießen. Auch wenn wir den Äquator schon 4 Mal überquert haben, als wir den Vulkan hoch und runter gefahren sind.

Das Monument ist in Form einer Sonnenuhr angelegt, in dessen Zentrum sich eine Säule zum Ablesen der Zeit und des Jahresverlaufs befindet. Der Eintritt zum Monument kostet 2 USD pro Person und geht in dieses Non-Profit Projekt. Dafür ist eine kurzer wirklich interessanter Vortrag über den Äquator und seine Besonderheiten vor Allem an diesem Ort inkludiert. Uns wurde erklärt, wie die Ureinwohner durch beobachten der Sonne und des Himmels bereits vor 1000 Jahren die Position des Äquators und den Verlauf der Jahreszeiten bestimmen konnten.

In der Nähe von Quito befindet sich ein weiteres Äquatormonument „Mitad del Mundo“ (Die Mitte der Welt), dessen Eintritt allerdings 10 USD betragen (parken extra), und welches sich nicht einmal an der richtigen Stelle befindet. Der Punkt, den die Franzosen 1736 in Ecuador als Äquatorlinie bestimmt haben, liegt ganze 240 Meter daneben. Die Urvölker hingegen waren 1000 Jahre zuvor schon genauer dran, und haben einen Steinkreis an der exakten Stelle des Äquators erstellt. Ab jetzt sind wir nun endlich auf der Südhalbkugel unterwegs, obwohl wir in Ecuador noch öfter den Äquator kreuzen werden – insgesamt nämlich 15 Mal.

Join the discussion One Comment

  • Evje sagt:

    Hallo,

    einen wirklich wunderbaren Bericht habt Ihr hier zur Verfügung gestellt. Für uns geht es nun bald auf Weltreise. Bei den letzten Vorbereitungen bin ich auf diesen bericht hgier gestoßen, welchen ich mit Freude gelesen habe.

    LG

Leave a Reply