Nachdem wir das Auto vor ca. einem Monat in Hamburg abgegeben hatten waren wir nun endlich wieder vereint und fuhren auf direktem Weg zu unserer Airbnb Unterkunft, um unsere Sachen abzuholen. Die Rucksäcke wurden einfach hinten reingeschmissen, wir wollten weiter, wohnlich einrichten könnten wir uns noch die kommenden Tage. Unser nächstes Ziel: Walmart – ein paar Lebensmittel, die noch benötigte Gasflasche und ein paar weitere Kleinigkeiten besorgen. Für eine Weiterfahrt war es danach dann doch schon zu spät und so verbrachten wir die erste Nacht im Auto auf dem Walmart Parkplatz – kein wirklich schöner Stellplatz und pures Chaos im Auto, doch wir waren glücklich. Jetzt erst fühlte sich der Start der Reise richtig an.

Unser Ziel am nächsten Morgen war Peggy’s Cove südlich von Halifax und danach sollte es noch weiter nach Lunenburg gehen.

Peggy’s Cove

Peggy’s Cove ist einer der meist fotografierten Leuchttürme der Maritimes von Kanada und aufgrund seiner Nähe zu Halifax ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen. Über den Lighthouse Trail machten wir uns auf den Weg, legten ein paar kurze Stops zwischendurch ein und kamen somit genau zur Mittagszeit, gleichzeitig mit ein paar riesigen Tourbussen bei Peggy’s Cove an. Ein Reminder an uns selbst: lieber früh oder spät die äußerst touristischen Attraktionen erkunden, um den Massen zu entfliehen.

Den Leuchtturm selbst ließen wir erst mal links liegen und spazierten lieber durch das kleine Fischerdörfchen.

Getriebeschaden in Nova Scotia

Peggy’s Cove war schön, das Dorf fanden wir noch spannender, als den Leuchtturm, doch wir wollten weiter. Auf die Straße, in unserem rollenden zuhause und einfach „on the road“ sein. Den Abend wollten wir feierlich mit einem kalten Bier ausklingen lassen, also noch schnell ein Halt beim Liquor Store des Upper Tantallion Shopping Center.

Rein ins Auto, Bier einkühlen, Ausparken – Rückwärtsgang rein, doch was war das… der Gang wollte nicht mehr raus. Kurz ließen wir uns ein bisschen rollen, Daniel versuchte irgendwie den Gang wieder rauszubekommen und es funktionierte. Noch nichts ahnend drehten wir eine kleine Runde im ersten Gang, stoppten um die Kupplung zu testen, auch der Vierte und Fünfte Gang wollten plötzlich nicht mehr. Nochmal in den Rückwärtsgang – großer Fehler! Ab hier war nun Schluss, alles Ruckeln und Rollen und diverse Tricks wollten nicht mehr helfen, der Rückwärtsgang steckte fest. Der erste Tag unseres großen Roadtrips, die ersten 70,1 Kilometer unserer geplanten über 60.000 Kilometer und wir haben unsere erste Autopanne – das kann es doch nicht sein!

Nun saßen wir hier also, bereits mit unserer ersten Panne und waren erstmal ratlos. Nach den ersten Schweigeminuten wurde unser Toyota Reparaturhandbuch aus den Tiefen ausgegraben. Erste Diagnose eines feststeckenden Rückwärtsganges – keine Ahnung, irgendwas am Getriebe. Also nächster Plan, erst Mal Abendessen und das Buschtaxi Forum zu Rate ziehen. Eigentlich hatten wir uns unseren Vorstellungsbeitrag unserer Reise anders vorgestellt. ;) Überraschend schnell kamen trotz Zeitverschiebung bereits die ersten Antworten, leider mit wie befürchtet finsteren Prognosen – es ist wahrscheinlich was grobes am Getriebe.

Doch wir haben einen Plan für den nächsten Tag, erstmal wollten wir den Ganghebel ausbauen und schauen, ob wir diesen zumindest wieder aus dem Rückwärtsgang bekommen, um in den ersten 3 Gängen zum nächsten Mechaniker fahren zu können.

Nach dem Aufwachen sahen wir zufällig einen Toyota Land Cruiser neben uns parken, also schnell raus und den Fahrer abpassen, welcher auch prompt ein paar Mechaniker Vorschläge für uns hatte. Auch von ein paar Weiteren wurden wir angesprochen, die mitbekommen hatten, dass wir bereits seit tags zuvor hier fest saßen. Noch ein paar weitere Kontakte und Telefonnummern.

Der Ausbau des Ganghebels brachte uns kein erhofftes Erfolgserlebnis, und so wurde schnell die CAA Plus Mitgliedschaft abgeschlossen (ähnlich zu ADAC bzw. ÖAMTC), um uns die Abschleppkosten bis nach Halifax zu ersparen. Zwischendurch wurde noch mit unserem Mechaniker in München telefoniert, auch er hatte auf einen Erfolg unseres Vorhabens gehofft. Nächster Plan war es nun zumindest 24 Stunden abzuwarten und danach erst den CAA zu kontaktieren, um uns abschleppen zu lassen. Der CAA hat eigentlich eine 48-stündige Sperre zu Vertragsbeginn – offensichtlich sind wir nicht die ersten, die die Mitgliedschaft nach der Panne  abschließen. :)

Eine passende Werkstatt wurde im Laufe des Nachmittags recherchiert, eine empfohlene Werkstatt in der Umgebung hatte eine Woche Urlaub, weitere, die wir kontaktierten, hatten keine Erfahrung mit Toyota Land Cruiser in unserem Alter. Also versuchten wir es mit dem Tipp des Toyota Fahrers am Morgen, er empfahl uns einen Mechaniker, der jahrelange Toyota Erfahrung hätte, nun aber bei Mitsubishi arbeitete. Dort nachgefragt erfuhren wir leider, dass dieser nicht mehr dort arbeitete, vorsichtshalber reservierten wir trotzdem schon mal einen Termin. Stunden später bekamen wir einen Rückruf von eben jener Mitsubishi Werkstatt – sie hatten für uns rausgefunden wo jener Mechaniker nun arbeitete und verwiesen uns dorthin. Wie nett war das denn? Also bei Yuille Auto Works in Dartmouth angerufen – Ja, einen John Z. gibt es hier, Toyota Land Cruiser Erfahrung – auf jeden Fall. Perfekt, das war unsere Werkstatt!

Das Gute an unserer Misere – wir befanden uns immerhin noch mitten am Parkplatz des Shopping Centers, also Lebensmittel ohne Ende, frisches Bier im Kühlschrank, Tim Hortons und McDonalds gleich ums Eck, als auch die Tantallion Public Library mit relativ schnellem Internet.

Der nächste Vormittag kam und der CAA wurde gerufen, am Ende wurde kurz unsere 1 Tag alte Mitgliedschaft erwähnt. Für diese Abschleppdistanz ist eine Mitgliedschaft von mehr als 48 Stunden notwendig, bei unseren aktuell 24 Stunden hatten wir einen Abschleppradius von 5 Kilometern inklusive, jeder weitere würde 2,50$ kosten. Günstiger wäre es wenn der Abschleppwagen sowieso gerade unterwegs zurück in die Stadt ist, Details sollten wir mit dem Fahrer klären. Dieser kam auch nach ca. 1 Stunde und schon wurde Motomoto beladen.

Über ein paar Umwege ging es nun also zurück nach Halifax, denn eigentlich war der Abschleppwagen samt Ladung nun zu hoch, und zu schwer. Mit dem Fahrer hatten wir auch wirklich Glück, dieser hatte bestimmt durchschaut, dass wir extra für diese Strecke die Membership abgeschlossen haben, doch bezahlen mussten wir nichts. Ein Trinkgeld war uns das allemal wert.

Motomoto in der Werkstatt

Da waren wir nun also, das Auto bei der Werkstatt, und jetzt war erst Mal warten angesagt, im Laufe des Nachmittags gab es den ersten Check. Das Ergebnis: Das Problem konnte nicht gefunden werden, genaueres kann man erst nach Öffnen des Getriebes sagen, der Mechaniker vermutete allerdings nur eine Kleinigkeit. Sein Vorschlag war vorher die Ersatzteile (Original von Toyota) zu bestellen, und direkt beim Ausbau alles auszutauschen und fertig.

Ganz so optimistisch waren wir leider nicht, hatten wir mittlerweile doch einiges an Feedback erhalten und mit diversen Werkstätten und Ausrüstern in Deutschland telefoniert, die Erfahrung mit unserem Getriebe, dem R151F, hatten. Die Ferndiagnose von vielen war ein kaputtes Getriebe, welches nicht so einfach mit ein paar Original Ersatzteilen repariert werden könnte.

Je mehr wir auch lasen, umso weniger wollten wir das bereits als zu schwaches bekannte Getriebe mit wieder ebenfalls schwachen Originalteilen ersetzen. Verstärkte Ersatzteile blind aus Deutschland, der USA oder Australien zu importieren, ohne zu wissen was tatsächlich das Problem ist, wollten wir auch nicht.

1,5 Wochen nachdem das Auto abgeschleppt worden war, machten wir uns also auf den Weg zur Werkstatt, mit gemischten Gefühlen. Zum Einen hofften wir aus finanziellen Gründen, der Mechaniker hatte Recht und es war nur eine Kleinigkeit. Zum Anderen waren wir gespannt, ob wir damit Recht behalten hatten nicht einfach blind Ersatzteile zu bestellen. Wir wurden also vom Mechaniker in Empfang genommen, und gleich wurden der Chef und Junior Chef dazu gerufen, das Ergebnis der Untersuchung: das Getriebe ist Schrott, und mit dazu auch noch das Verteilergetriebe.

Nach unzähligen Stunden Recherche kannten wir uns nun auch schon ein wenig aus. Von dem als zu schwach bekannten Lagersitz waren zwei große Teile abgebrochen, Aluspäne überall, abgeriebene Zahnräder, und verklumptes Öl. Nach Kauf des Autos hatten wir vorsichtshalber alle Öle wechseln lassen, das war vor ca. 10.000 Kilometern. Wie die Intervalle davor eingehalten wurden können wir leider nicht wirklich beurteilen.

Ersatzteile für unser Getriebe

Nachdem wir die letzten Tage bereits genug Zeit zum Recherchieren und Überlegen hatten, war unsere Entscheidung nun „relativ“ leicht. Zur Auswahl hatten wir die unterschiedlichsten Möglichkeiten: ein gebrauchtes R151F Getriebe in Kanada, ein neues R151F Getriebe importiert aus der USA, ein neues verstärktes Getriebe aus Deutschland, ein wenig gebrauchtes, überholtes und verstärktes Getriebe aus Deutschland. Ein stärkeres H55F Getriebe aus der Umgebung, wobei die Anpassung an unser Auto mit etwas mehr Arbeit verbunden wäre. Und auch wenn wir denken, dass unser Mechaniker das Know How dazu hätte, fühlten wir uns nicht ganz wohl dabei hier auf ein H55 oder gar H151 aufzurüsten. Wären wir in Deutschland, hätten wir uns hier vielleicht anders entschieden.

Nun stand also die Entscheidung: ein revidiertes und verstärktes R151F Getriebe von Allrad Keba wurde bestellt. Leider war auch hier das Timing nicht ganz perfekt, durch die Verzögerung der Werkstatt in Halifax, mussten wir zusätzlich eine Woche länger auf das Verstärken des Getriebes in Deutschland warten – dort kam uns der Urlaub des Mechanikers in die Quere. :)

Für den Versand der Ersatzteile hatten wir bereits seit längerem Kontakt mit dem ADAC, welche uns hier tatkräftig unterstützen. Sobald die Teile bei Allrad Keba fertig sind, werden diese zum ADAC nach München versendet. Dieser kümmert sich um die fachgerechte Verpackung, kontrolliert die Teile auf eventuell vorhandene Flüssigkeiten und würde diese ggf. entfernen und das ganze für den Versand vorbereiten. Durch einen weiteren Aufpreis werden die Ersatzteile nicht nur zum Flughafen Halifax versendet, sondern durch eine Spedition direkt zum Mechaniker.

Nachdem nun alles bestellt und organisiert war, war nun warten angesagt. Von Halifax hatten wir allerdings schon längst genug – also wurde kurzerhand ein Mietauto gebucht und wir machten uns auf den Weg nach Neufundland.

 

Generell möchten wir noch erwähnen, dass wir aufgrund unserer Postings im Buschtaxi Forum und IH8Mud Forum, als auch in der Overlander Gruppe auf Facebook wirklich viele Kontakte erhalten haben und alle nach und nach für Ersatzteile, bzw. vorhandene Getriebe durchtelefonierten. Hier hat sich Skype als überaus praktisch und die günstigste Alternative herausgestellt.

Aus Deutschland erhielten wir wirklich schnell Angebote, Informationen und Support von allen kontaktieren Ausstattern wie Extrem Fahrzeuge, Desert Tec, Tom’s Fahrzeugtechnik, Tourfactory oder Allrad Keba.

Auch die Kontakte in Kanada und der USA waren äußerst hilfsbereit und halfen uns mit Ratschlägen, Vorschlägen, Ferndiagnosen, Analysen und unterschiedlichen Angeboten aus. Wir müssen sagen, dass wir telefonisch wesentlich besser beraten wurden, als von der Werkstatt hier vor Ort, obwohl wir schlussendlich hier unsere Kreditkarte zücken werden.

Fakten und Tipps:

  • Eine CAA Plus Membership kostet 151$ – inklusive 5 mal Abschleppen für Distanzen bis zu 160 Kilometer. Gültig 48 Stunden nach Abschluss.
    Eine Adresse ist zur Registrierung notwendig, eine Adresse eines Post Office ist nicht erlaubt, probiert hatten wir es. Schlussendlich gaben wir die Adresse unserer ersten Airbnb Unterkunft an. In der Woche nach Abschluss kam dort eine vorübergehende Mitgliedschaftskarte an, zwei Wochen später die richtige.
    https://www.atlantic.caa.ca/membership
  • Hilfreiche erste Anlaufstellen: Buschtaxi Forum, IH8Mud Forum, Facebook PanAmerican Travelers Association Gruppe
  • Prepaid Telefonieren in Kanada ist relativ teuer, ganz zu schweigen von den Telefonaten ins Ausland. Schnell sind wir auf Skype umgestiegen. 2,4 Cent die Minute nach Kanada und die USA und auf Festnetz in Deutschland sind unschlagbar.
    https://www.skype.com/de/features/call-phones-and-mobiles/
  • Eine Auflistung unserer ganzen gesammelten Kontakte folgt.

4 Antworten zu “Peggy’s Cove und ein Getriebeschaden”

  1. Hallo Ihr Beiden,

    Ach, ist ja echt gemein sowas. Aber bestimmt war das die einzige Panne und die nächsten paar 100’000 km mit eurem Landcruiser.

    Ich wünsche euch von Herzen ganz viel Glück auf der Reise. Jetzt kommt’s nur noch gut :-)

    Liebe Grüsse,
    Reni

  2. Ingrid

    Hallo Steffi und Daniel,

    ihr habt das alles trotz der Schwierigkeiten mit dem Getriebeschaden gut gemeistert und das Beste draus gemacht! Super! Und eure Fotos sind gewaltig! Besonders der Riesenanker und der
    Leuchtturm sind genial!
    Aber jetzt geht’s bald weiter mit eurem Auto und dann geht’s erst richtig los!
    Vielen Dank nochmals für euer Anker Armband! Ihr beide seid super!
    Ganz liebe Grüße
    Ingrid und Sepp

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