Nach einigen Tagen Bangkok sollte es nun mit dem Bus weiter nach Siem Reap gehen. Über Kambodscha und Vietnam wollten wir weiter nach Laos und dann wieder zurück nach Thailand.

Unser Reiseführer warnte zwar dringend vor diesem Grenzübergang (Aranya Prathet / Poipet), da er für seine Touristenabzocke bekannt ist, wir wollten aber nach Siem Reap und fliegen war uns definitiv zu teuer :)

Laut unseren Recherchen gab es kaum Preisunterschiede zwischen gebuchten Touren oder selbst gekauften Einzeltickets, daher dachten wir uns „Nehmen wir doch lieber die bequemere Variante“ und buchten ein Ticket nach Siem Reap in unserem, bis dahin vertrauenswürdigen, Guesthouse.

Laut Auskunft der Dame sollten wir von einem Minivan bis zur Grenzstation Aranya Prathet auf thailändischer Seite gebracht werden, wo wir unser Visum direkt an der Grenze beantragen könnten. Nach überqueren der Grenze wäre es auch überhaupt kein Problem den auf uns wartenden Bus nach Siem Reap zu finden.

Dienstag früh um 7 Uhr wurden wir dann von unserem Minivan eingesammelt. Ca. 1,5 Stunden gings durch Bangkoks morgendliche Rush Hour, um weitere Backpacker einzusammeln. Der Van war zu unserer Überraschung nicht überfüllet. Gutes Zeichen, dachten wir. Dann gings zügig Richtung Grenze. Kurz vor der Grenze stoppte der Van.

Alle aus dem Minibus wurden streng getrennt in Zweiergruppen an verschiedenen Tischen platziert, und schon wurden uns Schreiber und Formulare in die Hand gedrückt. Gespräche mit anderen Tischen waren strengstens verboten – sofort wurden wir lautstark um Ruhe „gebeten“ bzw. an „unsere“ Tische zurück kommandiert. Nachdem wir uns weigerten das Formular für das total überteuerte kambodschanische Visum an dieser fragwürdigen „Grenzstation“ bzw. „Agentur“ sofort auszufüllen, wurden die netten Mitarbeiter auch von Sekunde zu Sekunde lauter und immer aggressiver.

Wir beschlossen, wie geplant, direkt zur Grenze zu gehen, um unser Visum direkt vor Ort zu beantragen.

 

Nachdem wir anfangs noch etwas unschlüssig dastanden um herauszufinden in welche Richtung es nun ginge, meinte der Mann von der „Grenzstation“ nur: „Haha, I don’t help you! Find the border yourself!!“ Alles klar, so ein Arsch, dachten wir uns und sind in die selbe Richtung, wie schon die 2 Israeli-Maedels vor uns. Die eine Hälfte des Mini Vans hatte die Formulare nun ausgefüllt, die andere versuchte es auf eigene Faust. Wir sind gemeinsam mit einem englischen Pärchen Richtung Kambodscha marschiert – zum Glück waren es am Ende nur ca. 500 Meter.

Auf thailändischer Seite bekamen wir unseren Ausreisestempel, bevor wir auch schon in der nächsten Situation aus unserem Reiseführer waren. Die Zollbeamten verlangten 1200 Baht pro Person, also ca. 30$. Wir deuteten auf das riesige Schild über dem Häuschen „Visa: 20$“ und meinten wir zahlen 20$.

Die Beamten erklärten uns, dies seien die Preise für die Botschaft in Bangkok, und sind hier natürlich überhaupt nicht relevant. An der Grenze kann man nur in Baht zahlen, und zwar 1200 pro Mann und Nase.

Unseren 100 Dollar Schein wollten wir diesen korrupten Beamten nun auch nicht geben und als sie schon anfingen uns die Pässe wiederzugeben und herumschrien „Go Back to Bangkok“ bezahlten wir natürlich doch die 1200 Baht. Ein kleiner weißer Schein war nun zusätzlich in unseren Pass getackert, der „Beleg“ für die nächste Station, an der wir das endgültige Visum erhalten würden. Groß und Fett stand auf diesem „20 USD“.

Danach ging es weiter. Zu unserem auf uns wartenden Bus. Welcher Bus?? Da war kein Bus! Es warteten nur unzählige „Taxifahrer“. Busse gäbe es hier keine, man muss schon ein Taxi nehmen um nach Siem Reap zu kommen.

Wartend standen wir nun da, beladen mit unseren riesigen Rucksäcken, umzingelt von 100en geschäftstüchtigen Thailändern und Kambodschanern.

Währenddessen traf die andere Hälfte des Minivans ein – jene, die brav ihr Visum bei der überteuerten „Agentur“ bezogen haben. Diese hatten nun einen grell orange farbigen Sticker, sowie eine asiatische Reiseführerin, die sie schleunigst zum „Gratis Shuttle Bus“ brachte, der zur eigentlichen Busstation gehen sollte. Wir durften nicht mit ihr reden, sie nichts fragen, mit den anderen nicht reden – denn wir hatten keinen blöden orange farbenen Sticker. Nein wir sind sicher nicht mit dem anderen Minivan gekommen, denn wir haben kein Sticker. Nunja, der Shuttlebus war kostenlos, er sollte zur richtigen „Busstation“ fahren, also „sprinteten“ wir vorbei an der kleinen, fluchenden, schreienden, uns nachlaufenden Reiseführerin und flüchteten in den Shuttlebus. Dieser war, man glaubt es kaum, auch für uns kostenlos – obwohl wir keinen dieser besagten Sticker besaßen. Nach 10 minütiger Busfahrt kamen wir an einer ebenso unseriösen Busstation an. Einen Unterschied gab es jedoch, draußen im Hinterhof stand ein Bus!

Die restlichen aus dem Minivan waren schon verschwunden um sich Taxis für 10$ pro Person zu organisieren, da der Bus laut Auskunft der Taxifahrer 7-8 Stunden für eine Strecke von 2-3 Stunden brauchen würde. So ganz wollten wir das nicht glauben und nach genauerem Hinsehen entdeckten wir die 2 Israelis im Bus. Gemeinsam mit den 2, Leor und Dana, warteten wir in dem stehenden Bus, schließlich hatten wir für diesen verdammten Bus ja schon bezahlt. Überraschender Weise kamen nach einiger Zeit wieder einzelne Leute aus unserem Minivan. Die Taxifahrer wären wohl in einen Streit geraten, wer darf fahren, wer das Recht hat hier Leute zu fischen, da nahmen nun auch diese vorlieb mit dem klapprigen, alten Bus.

Eine halbe Stunde im Bus und schon ging es los… 3,5 Stunden und eine kurze Pinkelpause später gab es plötzlich eine gute Nachricht: Endstation. Wir waren da. Ohne Probleme bis nach Siem Reap! Endlich!!! Von der etwas ausserhalb gelegenen Busstation haben wir uns gemeinsam mit Dana und Leor um TukTuks gekümmert, die uns ins Hostel brachten: Das Sweet Dream Guesthouse. Finally there. What a trip!!

7 Antworten zu “Scam Bus nach Siem Reap”

  1. ja, wenn einer eine Reise tut, dann hat er was zum Erzählen.

    Vielleicht war ja im Preis Sightseeing und das besser Kennenlernen der Einheimischen inbegriffen.

    Noch viel Spaß euch zwei und liebe Grüße

    PS: Sabrina feiert schon seit 3 Tagen das Ende des Schuljahres, bekommt aber erst heute ihr Zeugnis.

  2. katharina

    wow… ihr erlebt ja sachen. schön, dass dann doch noch alles irgendwie geklappt hat…
    und ihr habt eine spannende geschichte mehr zu erzählen ;)

    freu mich schon auf meeehr! :)

  3. Oh Mann ganz schön abenteurlich! Wir haben 2009 die Variante mit dem Local Bus zur Grenze, Visa beim Konsulat kaufen (20$ gezahlt ;-) und dann mit dem Taxi nach SiemReap gewählt. War die Straße nach SiemReap bei Euch auch noch so ein riesiges Schlagloch mit ein bisschen Straße drum oder war die da schon ausgebaut?

  4. Manfred Pillig

    Ich hab an der Grenze Aranyaprathet Poipet kaum Probleme gehabt ( bis auf die korrupten Visabeamten die jedem zu den 2015 offiziell fälligen 30$ noch hundert Baht abknöpften).
    Bin Vormittags in Bangkok gelandet und hab nahe dem Flughafen den Mittagszug nach Aranyaprathet genommen wo ich abends eintraf. Habe dann in Grenznähe (500m) günstig übernachtet und bin Morgends sehr früh zur Grenze gelaufen.Habe dort ein paar Minuten gewartet bis der Thai Grenzposten öffnete.Bin nach den Formalitäten zur Kambodschanichen Seite hab mir für 30$ + 100Baht mein Visa geholt und hundert Meter weiter abstempeln lassen. Um die zeit ist es noch relativ ruhig und nur wenige Scamer unterwegs. Ich habe alle! Personen die mich in Grenznähe angesprochen haben ignoriert. Am Kreisverkehr hinter der Grenze bin ich unter Ignoranz aller Anmachversuche einfach weiter die Straße entlang ungefähr 1,5Km. Dort fand ich die ersten Busgesellschaften. Obwohl ich einen Bus mit der Aufschrift Siem Reap sah wollte mir keiner ein Ticket verkaufen und ich wurde auf das Taxi verwiesen. Da ich schon mit so etwas gerechnet habe habe ich einen Bus nach Sisophon genommen für 3$. Dort bin ich nach 1,5 Stunden warten am Bushof (hab in der Zeit gefrühstückt) mit einem anderen Bus für 4$ nach Siem Reap gefahren wo ich Mittags eintraf.
    Fazit: Wenn man sich informiert und vor Ort sich nicht verrückt machen lässt dann geht das schon.

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