Hallo Whitehorse

Spät am Abend kommen wir wieder in Whitehorse an und sofort geht es erst Mal zu Walmart zum Einkaufen. Und wie sollte es bei den Autoproblemen anders sein? Im Wagen landen Schoko-Muffins, Schoko-Croissants, ein paar Schokoriegel und für den Notfall Nutella, denn wir befürchten, morgen wird ein anstrengender Tag. Den Rest des Abends verbringen wir recherchierend beim einzigen funktionieren Wifi das wir finden, im 24 Stunden geöffneten McDonalds.

Um 6:30 Uhr klingelt der erste Wecker, draussen ist es grau und der Nebel verhindert die Sicht bis zum nächsten Auto am Walmart Parkplatz. Es hat -7 Grad, also wird der Wecker prompt weiter gestellt. Eine Stunde später sind wir nun auf der Suche nach den Diesel-Spezialisten, die wir uns am Vortag rausgesucht haben. Wir werden von einem Mechaniker zum nächsten geschickt, der eine wartet keine ausländischen Fahrzeuge, der andere hat überhaupt keine Zeit, der nächste sieht uns nur schief an und hat keine Lust. Alle vertrösten uns, wenn sie uns überhaupt dran nehmen würden, dann ginge es erst in ein paar Wochen.

Also probieren wir es bei der Canadian Tire Werkstatt. Neben unserem Diesel Problem stehen nämlich auch noch ein Ölwechsel und das Reifen rotieren an. Bei dem Wetter lassen wir Beides lieber machen. Vorsichtshalber wird auch der ganze Diesel aus den Leitungen in einer Kiste aufgefangen, um diesen optische auf Verschmutzung zu prüfen.

Im Warteraum von der Werkstatt gibt es zustäzlich gratis Wifi und Nachrichten im Fernsehen, Trump hält eine schrecklich Ansprache und alle im Raum verdrehen die Augen – hoffen wir nur dass DER nicht Präsident wird.

Nachdem das Auto fertig ist, Quatschen wir mit dem Mechaniker, der Diesel ist nicht ungewöhnlich dreckig, und ihm ist nichts aufgefallen. Seine erste Vermutung ist, dass wir eventuell schlechten Sommerdiesel erwischt haben, der bei den Temperaturen auszuflocken beginnt (Antigel beimischen), seine zweiter Vermutung sind die Einspritzdüsen – na toll.

Um sicher zu gehen sägen wir den Dieselfilter in der Hälfte durch, um sein Inneres auf Verschmutzungen zu prüfen. Können die Stotterer und der weiße Rauch daher kommen? Fehlanzeige, dieser ist nach nur 8000 Kilometern sauber.

Zum Testen füllen wir den Tank mit der doppelten Dosis unseres üblichen Cetan Boosters (Diesel Kleen) und fahren damit einige Kilometer. Das Ergebnis ist eine Katastrophe, alles stottert und raucht so schlimm wie noch nie, nur bei Vollgas erscheinen keine Fehlzündungen.

Hoffnung haben wir zwar keine, aber trotzdem statten wir der hiesigen Toyota Werkstatt einen Besuch ab, doch auch diese sind die nächsten Wochen ausgebucht. Sie empfehlen uns allerdings einen Diesel Spezialisten gegenüber vom Flughafen. Dort fahren wir also hin, schildern unser Problem einem Angestellten der uns eigentlich ebenfalls gerade abwimmeln will. Doch ein netter Mechaniker fragt wo er unser Auto finden kann, und kommt mit raus um sich alles anzuhören. Jetzt erfahren wir auch, dass er der empfohlene Diesel Spezialist ist. Für ihn scheint schnell alles klar zu sein, er ist sich sicher, dass es die Einspritzpumpe ist. Immer besser werden die Prognosen. Zumindest haben wir bereits bei 4WheelAuto in Edmonton angerufen. Wenn es die Einspritzpumpe oder die -Düsen sind, machen sie alles auf Garantie.

Die Empfehlung des Mechanikers hier vor Ort: Nicht in Whitehorse zu versauern, durch den baldigen Wintereinbruch sind hier alle Mechaniker ausgebucht, wir sollen so weit nach Süden fahren wie möglich. Die nächste größere Stadt ist Prince George, „nur“ 1760 Kilometer entfernt.
Sein Tipp: 1 Liter ATF Öl (Getriebeöl) dem Tank beimischen und damit bis Vancouver fahren. Schon oft haben wir im Buschtaxi Forum vom Beimischen von Zweitaktöl gelesen, also nehmen wir lieber das. Zusätzlich kaufen wir bei Canadian Tire noch genügend Cetan Boost (Diesel Kleen), vorsichtshalber auch noch eine Flasche der Antigel Variante.

Mit der doppelten Dosis Diesel Kleen im Tank und 2 Taktöl im Verhältnis 1:200 fährt sich das Auto nach einigen Kilometern schon wesentlich besser und so stellen wir Navi App #1 auf unserem iPad auf das heutige Etappenziel, und Navi App #2 auf Prince George, dies ist das große Ziel, bis dahin müssen wir es mit dem Auto schaffen. Oder zumindest bis auf 150 Kilometer Nähe, denn dann wäre durch unsere CAA Mitgliedschaft abschleppen gratis – Erfahrung damit haben wir ja bereits. ;)

Diesen Abend verbringen wir in warme Klamotten und Schlafsack eingepackt an der schönen Morley Lake Recreation Site. Zum Test bleibt die Diesel-Standheizung aus, um diese als Verursacher ausschließen zu können.

In Watson Lake müssen wir uns nun entscheiden, über den Alaska Highway nach Edmonton, oder über den Cassiar Highway Richtung Prince George. Und wenn es sein muss, von dort nach Edmonton. Vernünftiger wäre natürlich der Alcan (Alascan Highway), mehr Infrastruktur, mehr Verkehr – falls wir Probleme haben sollten. Doch nun haben wir schon den Kluane Nationalpark und Lake Atlin ausgelassen, auf den Cassiar wollen wir nicht verzichten. Und solange wir im 4. Gang fahren passt ja alles. ;)

In Watson Lake wird noch einmal vollgetankt, dieses Mal testen wir mit der doppelten Dosis Archoil und 2Taktöl in der Mischung 1:200. Nach bereits kurzer Zeit, läuft der Motor rund und hat keine Aussetzer mehr! Das werden wir weiter beobachten.

Der Cassiar Highway

Der Cassiar Highway, auch bekannt als Stewart-Cassiar Highway oder Highway 37, führt 720 asphaltierte Kilometer vom südlichen Yukon Territory nach British Columbia. Die wenig befahrene Strecke soll optimal für Wildlife Beobachtungen sein, Elche, Schwarzbären und Grizzlys sieht man oft auf oder abseits der Straße.

Der Cassiar Highway ist ein Traum, wie gut, dass wir uns für diese Strecke entschieden haben. Die Wolken, der Nebel, und der feine Schnee machen eine super Stimmung und wir fühlen uns wie im „echten Kanada“, und auch unsere Stimmung steigt. Die Schokodosis des Vortags hat sicher seinen Teil beigetragen.

Wir finden einen schönen Schlafplatz auf einer Day Use Area direkt am Fluss. Doch hier ist so wenig los, hier wird uns Nachts bestimmt keiner vertreiben. Wir behalten recht und als wir morgens aufwachen können wir unseren Augen kaum trauen. Alles ist weiß, überall liegt Schnee und hinter uns schwimmen Eisschollen im Fluss. Einfach traumhaft.

Übrigens: Von 1. Oktober bis 30. April herrscht auf vielen der Straßen in Kanada Winterreifen Pflicht, wie gut, dass unsere MT BFGoodrich eine M+S Kennzeichnung haben. Wie das möglich ist, ist uns allerdings unklar. :)

Passend zu unser Stimmung fährt auch das Auto (fast) einwandfrei und um Welten besser, als noch vor zwei Tagen. Zum Test schalten wir kurz auf den Zusatztank, in welchem etwas Diesel aus Glennallen (Alaska) ist, dort wo das Problem angefangen hatte. Nach 6 Kilometern stottert das Auto nur so und wir schalten schnell wieder um. Bei einer kleinen Tankstelle füllen wir also lieber nur den Haupttank, doch lieber Testen wir hier mal wieder unseren Mr.Funnel. Über diesen Filter wird der Diesel vor dem Befüllen des Tanks gefiltert. Dreck und Wasser bleiben übrig, doch wie wir hier merken auch eine blaue Flüssigkeit, welche dem Winterdiesel beigemischt wird. Eine riesen Sauerei ist alles, und nachdem wir diesen ersten gefilterten Anteil auf Dreck überprüfen, tanken wir doch wieder ohne Mr.Funnel.

Stewart und ein Tagesausflug nach Hyder, Alaska

Wir biegen vom Cassiar Highway Richtung Stewart ab und machen uns wieder auf den Weg Richtung Alaska. Nämlich nach Hyder – ein kleines Dorf in Alaska, welches nur über Stewart in Kanada, oder über den Seeweg erreichbar ist. Beide Städte befinden sich am Ende des Portland Canal, einem der größten Fjorde der Welt.

Bekannt sind die beiden Städte durch die vielen, leicht zu erreichenden Gletscher und Hyder vor allem durch den berühmten Fish Creek, wo man zur Lachs Saison Schwarzbären und Grizzlys beim Schlemmen im Fluss beobachten kann.

Über eine weiße Schneefahrbahn geht es durch eine traumhafte Landschaft, wir fahren an Gletschern vorbei die hier scheinbar überall von den Bergen runterschauen und sehen kurz vor Stewart einen Schwarzbären. Schnell sind wir durch Stewart durch, und am Fish Creek in Hyder. Hier sind wir zwar über einen Monat zu spät für irgendwelche Lachse und somit auch Grizzlys, aber wir wollten trotzdem mal vorbei schauen.

Der Fish Creek und eine Grizzly Sichtung

Beim Öffnen der Autotüren am Parkplatz schlägt uns gleich ein ekeleregender Geruch nach verfaultem Fisch entgegen. Wir schlendern den Holzsteg entlang und sehen im Fluss noch einige verwesende Fische. Doch nicht nur Fische sehen wir da, Steffi greift Daniel am Arm, da steht doch tatsächlich ein Grizzly! In sicherer Entfernung von uns, denn wir stehen am abgesicherten Holzsteg für die Touristen darüber.

Die ersten Minuten stehen wir nur da und staunen, wir sind mucksmäuschen still, und beobachten den vermutlich jungen Grizzly, wie er die alten toten Fische aus dem Fluss angelt und ein bisschen an ihnen knabbert. Ganz so lecker scheinen sie dann doch nicht zu sein, denn zwischendrin frisst er dann doch lieber ein paar Grasbüschel. Wir fotografieren und fotografieren, doch leider ist es bereits viel zu dunkel. Bevor es komplett dunkel wird, müssen wir dann doch zurück zum Auto, sind diesmal etwas aufmerksamer und schauen uns nach anderen Bären um.

Auf iOverlander finden wir einen Schlafplatz, nicht wirklich weit vom Fish Creek und dem gerade gesehenen Grizzly entfernt. Diese Nacht legt Steffi ein Veto ein, und wir schlafen NICHT im Klappdach, wo uns nur ein dünner Zeltstoff vom potentiellen Bären trennt. Auch der Weg zur Toilette, sprich dem nächsten Busch fällt etwas lauter aus als sonst. Erst wird die Hecktür geöffnet und sorgfältig mit der Stirnlampe die Umgebung erkundet, danach ein Blick jeweils am Auto vorbei. Alles natürlich von lautem Klatschen begleitet, damit alle Bären oder sonstige Tiere in der Umgebung das Weite suchen.

Salmon Gletscher

Ein weiteres Highlight von Hyder ist der extrem einfach zu erreichende Salmon Glacier, der fünft größte Gletscher von Kanada. Über eine ca. 30 Kilometer lange Straße geht es zum Aussichtspunkt hoch, der wiederum in British Columbia (Kanada) liegt.

Der Weg hoch zum Gletscher ist traumhaft und der Ausblick von Kurve zu Kurve noch unglaublicher. Doch kaum stoppen wir für unsere ersten Fotos ziehen langsam dichte Wolken heran. Vom eigentlichen Lookout sehen wir nichts, können uns nur vorstellen wie atemberaubend der Ausblick von hier oben sein muss.

Auf dem Rückweg stoppen wir noch einmal kurz beim Fish Creek, doch der Grizzly vom Vorabend ist weit und breit nicht mehr zu sehen. Nach einem kurzen Boxenstop in Stewart für eine heiße Dusche geht es für uns weiter am Cassiar Highway entlang nach Süden. Kaum sind wir auf diesen abgebogen sehen wir nochmal drei Bären, eine Mama mit ihren zwei Jungen. Für uns ist die Fahrt über den Cassiar Highway also ein absolutes Highlight. Unser heutiges Ziel ist Kispiox – wo wir uns mit Kathrin und Till treffen, welche wir im Juli in Halifax kennengelernt haben. Wir lassen den Abend am Lagefeuer ausklingen, werden von den Beiden zu ihrem Gulasch eingeladen, und als wir Abends in ihrem Auto zusammensitzen besucht uns dort auch noch eine winzige Maus, die mit vereinten Kräften gesucht und wieder in die Freiheit entlassen wird.

Auch am nächsten Tag wird noch lange gequatscht, erst um halb fünf verabschieden wir uns final. Leider nur ein einziger gemeinsamer Abend, denn wir müssen weiter nach Vancouver, schon bald müssen wir dort Daniels Bruder abholen, und für die Beiden geht es jetzt erst in den Norden.

Hinter dem süßen Örtchen Smithers mit Alpen Flair bleiben wir über Nacht auf einer kleinen Recreation Site und fahren Tags darauf über dem Yellowhead Highway bis Prince George. Unser Ziel haben wir erreicht, hier gäbe es einige Dieselspezialisten, doch mit der doppelten Dosis Cetanboost (Diesel Kleen) hat sich das ganze Stottern wieder relativiert. Offensichtlich war es schlussendlich die schlechte Qualität des Diesels aus Alaska, der uns die Probleme bereitet hat.

Die nächsten Nächte schlafen wir auf verschiedenen kleinen Recreation Sites, eine davon am Fly Lake, wo es Platz für maximal zwei Autos hat. Dort machen wir einen kurzen Abstecher zur Mt. Timothy Ski Area.

Lillooet

Über geniale Backroads und den Rattlesnake Pass arbeiten wir uns langsam bis Lillooet vor. Lillooet am Fraser River gefällt uns. Eigentlich gibt es einen tollen kostenlosen Campground in der Stadt, aber dieser ist leider für den Winter bereits geschlossen.

Am Highway #99, auch bekannt als Top of the World Highway fahren wir Richtung Whistler und finden die schöne geöffnete Cinnamon Recreation Site. Am Morgen geht es ohne Frühstück wieder zurück nach Lillooet, denn dort freuen wir uns auf eine deutsche Bäckerei, von der wir irgendwo gelesen haben. Im Visitor Center die Ernüchterung – die deutsche Bäckerei ist bereits seit 3 Jahren geschlossen, aber auch in einer anderen soll es leckeres Brot haben, und wir werden nicht enttäuscht. In Lillooet spazieren wir entlang des Salmon Run am Hydro BC Dam und staunen. So viel schöner, als jener in Valdez, in die Natur integriert mit einem „natürlichen“ Flusslauf, schade dass wir keine Lachse erblicken.

Von Lillooet aus wollen wir über die Berge in den Süden, wir haben uns die schöne Portage Road über den Mission Pass rausgesucht. Es geht durch die Berge, mit Ausblick auf zwei wunderschöne türkise Seen, wir finden einen eigentlich atemberaubenden Schlafplatz – wären da nur nicht die Strommasten, doch die gibt es hier überall.

 

Whistler am Top of the World Highway

Irgendwo stoßen wir schließlich wieder auf den Top of the World Highway, und kaum haben wir uns versehen sind wir plötzlich in Whistler. Sehr touristisch ist es hier, aber uns gefällt’s. Im Restaurant La Cantina gönnen wir uns leckerste Burritos und telefonieren noch einmal mit Daniels Bruder, bevor dieser morgen in den Flieger steigt.

Eine Nacht verbringen wir schließlich noch in Vancouver, treffen noch einmal Dan von Malimish, schleichen uns mit ihm in seinen Campingplatz im Zentrum von Vancouver und füllen unser Trinkwasser auf, nutzen die Waschmaschinen, und der größte Luxus überhaupt, machen es uns mit einem Bier im Whirlpool gemütlich.

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